Systemisch“ ist ein Begriff, der häufig verwendet wird – und doch fragen sich viele Menschen, was genau damit gemeint ist.
Als Systemikerin ist es mir wichtig, immer das gesamte System im Blick zu behalten. Im Coaching oder in der Supervision geht es deshalb nicht nur um die einzelne Person oder ein aktuelles Problem. Ebenso wichtig sind die Strukturen der Organisation, die Zusammenarbeit im Team und die Rahmenbedingungen, in denen Menschen handeln.
Unser Verhalten entsteht nie losgelöst von seinem Umfeld. Der berufliche Kontext, Rollen, Erwartungen und Beziehungen beeinflussen unser Handeln – genauso wie unser Handeln wiederum Auswirkungen auf andere Menschen hat.
Bei einer Fallsupervision richte ich den Blick deshalb nicht ausschließlich auf die betreffende Person. Gemeinsam betrachten wir auch das Umfeld: Welche Rolle spielen Familie, Schule, Arbeitsplatz oder andere beteiligte Institutionen? Welche Wechselwirkungen bestehen zwischen ihnen?
In der systemischen Beratung sprechen wir von Zirkularität. Damit ist gemeint, dass Verhalten keine Einbahnstraße ist. Menschen reagieren auf ihr
Umfeld und beeinflussen dieses gleichzeitig wieder durch ihr eigenes Verhalten. So entstehen Wechselwirkungen, die sich mit der Zeit verfestigen können.
Viele unserer Verhaltensweisen haben sich irgendwann einmal als hilfreich erwiesen. Sie geben Sicherheit, schaffen Routinen und helfen dabei, mit
Herausforderungen oder Konflikten umzugehen. Gleichzeitig lohnt es sich, immer wieder zu hinterfragen, ob diese Muster heute noch hilfreich sind oder ob sie einer Veränderung im Weg stehen.
Manchmal genügt schon eine kleine Anpassung, um neue Möglichkeiten zu eröffnen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt systemischer Beratung ist die Frage, ob hinter einem offensichtlichen Thema noch etwas anderes liegt. Häufig zeigt sich
im Beratungsprozess, dass das zunächst benannte Problem gar nicht der eigentliche Kern ist. Wenn wir beginnen, Zusammenhänge zu erkennen und unterschiedliche Perspektiven einzubeziehen, entstehen
oft neue Einsichten und tragfähige Lösungen.
Für mich bedeutet systemisches Arbeiten deshalb vor allem eines: Menschen, Teams und Organisationen nicht isoliert zu betrachten, sondern in ihren Beziehungen, Wechselwirkungen und Möglichkeiten. Denn oft verändert sich bereits etwas Entscheidendes, wenn wir beginnen, das Ganze in den Blick zu nehmen.
